Maha Kumbh Mela 2013 – Das grösste Fest der Welt in Allahabad
Sadhus, Pilger und der heilige Zusammenfluss von Ganges, Yamuna und Saraswati
Das Maha Kumbh Mela gilt als das grösste religiöse Fest der Welt. Alle zwölf Jahre versammeln sich Millionen von Hindu-Pilgern am Sangam in Allahabad (heute Prayagraj) – dem heiligen Zusammenfluss von Ganges, Yamuna und dem mythischen Fluss Saraswati – um im heiligen Wasser zu baden und sich von Sünden zu reinigen. 2013 zählte das Fest über 100 Millionen Besucher, darunter Sadhus, Naga-Babas, Haushalter und Gläubige aus ganz Indien und der Welt. Die Sadhus und Naga-Babas – asketische Heilige, die allem Weltlichen entsagt haben – bilden das spirituelle Herzstück des Kumbh Mela. Bedeckt mit Asche, mit langen Dreadlocks und oft ohne Kleidung, sind sie die eindrücklichsten Gestalten des Festes. Ihr Bad im Ganges am Hauptbadetag, dem Mauni Amavasya, gilt als besonders heilig. Diese Reportage zeigt das Maha Kumbh Mela 2013 hautnah – die spirituelle Intensität, die schiere Masse der Menschen und die unvergesslichen Begegnungen am heiligen Fluss.
Naga Babas – nackte Asketen, vollständig mit Asche bedeckt – ziehen am Mauni Amavasya, dem 10. Februar 2013, zum heiligen Bad am Sangam in Allahabad – dem wichtigsten Badetag des Maha Kumbh Mela 2013.
Pilgerinnen und Pilger warten beim Sonnenaufgang am Mauni Amavasya, 10. Februar 2013, am Sangam in Allahabad auf den Durchzug der Naga Babas zum heiligen Bad – Hunderttausende drängen sich in der Kälte des frühen Morgens, Maha Kumbh Mela 2013.
Frauen trocknen ihre Saris am Sangam in Allahabad nach dem rituellen Bad, Maha Kumbh Mela 2013. Das Bad im heiligen Wasser am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna gilt als Akt der Reinigung – es soll Sünden tilgen, den Kreislauf der Wiedergeburt unterbrechen und 88 Generationen von Vorfahren Erlösung bringen. Ihre Schatten zeichnen sich im Gegenlicht auf dem gelben Sari-Stoff ab.
Ein Pilger hält eine Kerze beim Morgengebet über den Sangam in Allahabad – im Hintergrund waten Hunderte von Pilgern im heiligen Wasser bei Sonnenaufgang, Maha Kumbh Mela 2013.
Einsatzkräfte der Rapid Action Force (RAF) stehen in der Nacht mit Schutzschilden Spalier beim Maha Kumbh Mela 2013 in Allahabad – Sicherheit wird beim weltgrössten Menschenauflauf grossgeschrieben, mit zahlreichen Sicherheitsinstitutionen im Einsatz.
Naga Babas mit Ringelblumenkränzen warten hinter der Absperrung auf den Startschuss für ihr heiliges Bad am Mauni Amavasya, 10. Februar 2013 – lautstark rufen sie «Hare Hare Mahadev» (Gepriesen sei Shiva, der grosse Gott!), Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad.
Ein frisch initiierter Naga-Novize trinkt Tee am frühen Morgen des 10. Februar 2013, Maha Kumbh Mela, Allahabad – die frisch rasierte Glatze zeigt seine soeben vollzogene Initiation. Die Einweihung zum Naga Sadhu umfasst fünf Rituale: Rasur von Kopf und Bart, das Anlegen von Safrangewändern, Gebetsketten, das Einreiben mit Asche – und schliesslich das Ablegen des letzten Kleidungsstücks. Mit der Initiation stirbt der Novize symbolisch für die Welt und entsagt allen weltlichen Bindungen.
Naga Babas rauchen Charas (Haschisch) beim Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – mit Ringelblumenkränzen geschmückt, vor dem heiligen Bad am Mauni Amavasya. Der Konsum von Charas gilt als spirituelle Praxis zur Annäherung an Lord Shiva, der in der hinduistischen Tradition selbst als Konsument von Cannabis verehrt wird.»
Shiv Raj Giri, bekannter Naga Baba und Protagonist des Dokumentarfilms «Naked in Ashes» (2005), führt die traditionelle Penis-Dehnungsübung aus, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – diese Yoga-Praxis gilt als Beweis vollständiger Körperkontrolle und symbolisiert die Überwindung aller weltlichen Gelüste als Weg zur Annäherung an Lord Shiva.
Pilgerinnen kehren bei Sonnenuntergang zu ihrem Camp zurück, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – sie laufen an geschlossenen Ständen vorbei auf einer der kilometerlangen Strassen, die für die Dauer des Festes eigens mit Stahlplatten ausgelegt werden, um die riesige temporäre Stadt zu erschliessen.
Prasad – geweihtes Essen – wird von Ashrams an Pilger verteilt, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – Dutzende von Händen strecken sich nach der kostenlosen Mahlzeit, die während des gesamten Festivals täglich von religiösen Organisationen und Ashrams an Hunderttausende von Pilgern ausgeteilt wird.
Portrait einer älteren Pilgerin vor ihrem Zelt im Pilgerlager, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – oft reisen ganze Dorfgemeinschaften aus allen Teilen Indiens an und verbringen einen ganzen Monat am Sangam, um die heiligen Badetage nicht zu verpassen.
Blick auf ein Pilgerlager in der Nacht, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – Tausende von Zelten so weit das Auge reicht, im Mondlicht und unter Strassenlampen. Für die Dauer des Festes entsteht am Sangam eine der grössten temporären Städte der Welt.
Ein Priester und sein Novize auf einem speziell konstruierten Rollstuhl-Gefährt fahren durch die sandigen Lagerstrassen, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – beide in orangefarbenen Safrangewändern, das heilige Bad am Sangam als gemeinsames Ziel.
Ein Sadhu taucht in ekstatischer Hingabe in das heilige Wasser des Sangam ein – Wassertropfen spritzen in die Luft beim rituellen Bad am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad.
Ashram von Asaram Bapu im Winternebel, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – prachtvoll dekoriert mit dem Portrait des Gurús, der damals 40 Millionen Anhänger weltweit hatte. Wenige Monate nach dem Kumbh Mela wurde Asaram Bapu wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen verhaftet und 2018 zu lebenslänglicher Haft verurteilt – ein Beispiel für die undurchsichtigen Machtstrukturen mancher Ashrams.
Ein Schauspieler schminkt sich für eine Ramlila-Aufführung — das traditionelle hinduistische Volkstheater, das Szenen aus dem Ramayana darstellt, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad. Alle Rollen, auch weibliche, werden ausschliesslich von Männern gespielt. Im Spiegel seines Handys trägt er die charakteristischen roten und weissen Zeichen auf der Stirn auf.
Ein Schauspieler schminkt sich für eine Ramlila-Aufführung — das traditionelle hinduistische Volkstheater, das Szenen aus dem Ramayana darstellt, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad. Alle Rollen, auch weibliche, werden ausschliesslich von Männern gespielt. Im Spiegel seines Handys trägt er die charakteristischen roten und weissen Zeichen auf der Stirn auf.
Ein junger männlicher Schauspieler setzt sich die Krone auf für seine Rolle als weibliche Gottheit in der Ramlila-Aufführung, Backstage beim Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – prächtig geschminkt und kostümiert, alle weiblichen Rollen werden traditionell von Männern gespielt.
Ein männlicher Schauspieler tanzt ekstatisch in der Rolle einer weiblichen Gottheit auf der Ramlila-Bühne beim Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – das leuchtend rosa Kostüm wirbelt im Tanz, begleitet von Live-Musik im Hintergrund.
Der Schatten eines Sadhus zeichnet sich auf einem fein bestickten Sari ab – ein stiller, poetischer Moment beim Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad.
Ein Stier durchsucht eine inoffizielle Mülldeponie beim Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – Stiere und Kühe laufen frei durch die Festivalstrassen, als heilige Tiere unantastbar aber oft herrenlos. Die Abfallentsorgung bei über 100 Millionen Besuchern ist eine der grössten Umweltprobleme des Festivals – ein Grossteil des Mülls wird einfach vergraben.
Eine Familie reist mit einem Pferdewagen zum Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – Pilger kommen mit allen erdenklichen Transportmitteln, vom Zug bis zum Ochsenkarren, aus allen Teilen Indiens angereist.
Ein Kleinkind blickt aus der Menge heraus, getragen auf den Schultern seiner Mutter auf dem Weg zum Sangam am Morgen des Mauni Amavasya, 10. Februar 2013 – Maha Kumbh Mela, Allahabad. Die intensive Menge von Millionen von Pilgern auf engem Raum kann jederzeit in Panik umschlagen – an diesem Tag kam es am Bahnhof Allahabad tatsächlich zu einer tödlichen Massenpanik mit 42 Todesopfern.
Eine dichte Menschenmenge aus Pilgerinnen und Pilgern drängt sich in der Morgendämmerung zum Sangam, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – im Hintergrund ein Meer aus Lichtern der riesigen Festivalstadt, Millionen auf dem Weg zum heiligen Bad.
Pilger reisen im überfüllten Zug zum Maha Kumbh Mela 2013 nach Allahabad – ein alter Mann hält ein schlafendes Kind im Arm, eingepfercht im Zugfenster. Hunderttausende reisen mit der Bahn an, die Züge sind während des Festes hoffnungslos überfüllt.
Pilgerinnen schauen aus den Zugfenstern – auch aus dem Notfallausstieg («आपातकालीन खिड़की» / Emergency Window») – beim Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad. Die indischen Züge sind während des Festes auf allen Strecken nach Allahabad restlos überfüllt.
Ein Aghori Baba beim Sonnenaufgang am Sangam, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – die Aghori sind eine der extremsten asketischen Traditionen des Hinduismus, die Krematorien als Wohnort wählen und Rituale mit Totenasche und Schädeln praktizieren, um die Grenzen zwischen Leben und Tod zu überwinden und Shiva näherzukommen.
Ein frisch rasierter Naga-Novize inmitten der aschbedeckten Naga Babas auf dem Weg zum Sangam am Mauni Amavasya, 10. Februar 2013 – sein erster heiliger Badzug als neu initiiertes Mitglied der Naga-Bruderschaft, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad.
Hunderte von Naga Babas mit Ringelblumenkränzen stürmen jubelnd zum heiligen Bad am Sangam, Mauni Amavasya, 10. Februar 2013 – der bedeutendste Moment des Maha Kumbh Mela 2013 in Allahabad. «Hare Hare Mahadev!» – der Ruf hallt über das Ufer, während die nackten Asketen ins heilige Wasser des Ganges und der Yamuna eintauchen.
Eine Naga Sadhvi (Naganini) verlässt den Sangam nach ihrem rituellen Morgenbad, Maha Kumbh Mela 2013, Allahabad – weibliche Naga-Asketinnen tragen im Gegensatz zu ihren männlichen Pendants ein Safrangewand. Ihr aufgetürmtes Haar und ihr direkter Blick in die Kamera machen dieses Bild zu einem der stärksten Portraits der Reportage.